Fanrechte?

Da liegt er also hinter uns, der 28. Spieltag. Sportlich ist es perfekt gelaufen, auch wenn Lautern heute gewonnen hat. Aber nach oben sollten wir wohl nicht schauen – es gilt den Platz zwei zu verteidigen. Und da haben wir ja wieder alles selber in der Hand. Also sollte man meinen, es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen.

Aber der Spieltag hat einen bitteren Nachgeschmack. Es passieren gerade sehr unschöne Dinge um den Verein. Was ist passiert? Über die Vorgeschichte muss man sicher keine großen Worte mehr verlieren. Zur Erklärung verweise ich hier einfach mal auf den Flyer zu den Protesten:

Flyer-Fanrechte

Man beachte – dies war keine Aktion von USP, sondern wurde ebenso von vielen anderen Gruppen rund um den FCSP getragen. DIe Flyer wurden flächendeckend im Stadion verteilt. Für die Süd war ein leerer Stehplatzblock angedacht, im Rest des Stadions ein 5 Minuten Schweigeprotest.

Und so sah es dann zu Spielbeginn auf der Süd aus (Foto M. Knust):

Ein voller Erfolg, möchte man meinen. Eine leere Kurve, welch ein Zeichen. Haben doch alle kapiert, dass die Proteste nicht Pro Rostock sind, sondern dass es um unsere Rechte als Fans geht? Das war eigentlich schwer vorstellbar. Und spätestens als beim Einlaufen der Südfans einige Bereiche der Süd Stimmung gegen USP machte, war klar, dass da etwas schief gelaufen ist. Nach dem Spiel sickerten dann die Informationen langsam durch, einige Gespräche brachten dann Licht ins Dunkel.
Die Eingänge der Süd wurden blockiert, federführend wohl von Mitgliedern von USP. Und eine Reihe von Zuschauern waren mit dieser Blockade nicht einverstanden und wollten in den Block. Was dann im Innenraum vorgefallen ist, weiß ich nur vom Hörensagen, daher will ich auf die Geschehnisse nicht weiter eingehen. Aber wenn auch nur ein Bruchteil der Sprüche und Beschimpfungen gefallen sind, ist das ein Armutszeugnis.

Das blockieren der Eingänge war sicherlich in der Form unklug. Besser wäre es wohl gewesen, einfach den Mittelblock abzusperren und den Rest der Zuschauer in die Kurve zu lassen. Aber das ist etwas, worüber man hinterher das Gespräch suchen könnte. Entweder direkt mit USP, oder aber über die jeweiligen Gremien und Fanvertreter, die die Aktionen an dem Tag mit organisiert haben (auch wenn der Protest nicht in Form einer Blockade geplant war). Aber das wäre wohl zu einfach. Stattdessen wurde wohl schon während der Blockade die Konfrontation gesucht. Es wird in Internetforen rumgeprollt, es hagelt Briefe mit Forderungen nach Repressalien an den Verein, es finden sich offene Briefe mit fragwürdigen Inhalten bei der Boulevardpresse ein … und genau hier liegt in meinen Augen das eigentliche Problem. Warum war so vielen daran gelegen, den Wunsch von fast allen Teilen der Fanszene nicht zu akzeptieren und sich gegen die Proteste zu stellen. Ist der Hass auf USP so stark, dass man dafür auch allen anderen in den Rücken fällt? War es wirklich so unmenschlich, einfach einige Minuten zu warten und dann erst in Richtung der Eingänge zu strömen? Was machen diese Menschen, wenn an anderen Orten die Rechte auf Freiheit eingeschränkt werden? Ich denke da an Aktionen der Anti-Atom-Bewegung oder an Gegendemos zu angemeldeten Demos rechter Parteien z.B.? Wird dann auch so wenig Verständnis aufgebracht? Wird dann auch auf das Recht auf freie Wege bestanden?

Ich bin gespannt, wohin die Reise geht. Ich hoffe, der Verein reagiert jetzt besonnen und gießt nicht noch mehr Öl ins Feuer. Wer hier und heute Stadionverbote und einen Ausschluß von USP fordert, hat nichts kapiert.

Spätestens, wenn die neue Gegengerade als reine Sitzplatztribüne gebaut wird, werden einige an diese Tage zurückdenken und sich fragen, ob man einen Protest nicht doch hätte mittragen sollen.

Gruß,
Kiesel

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~ von derkiesel - März 29, 2010.

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