Zu Besuch in der Halle – oder: Aufbaugegner Ole

Neues Spiel, neues Lehrgeld, … aber der Reihe nach.

Die Anfahrt begleitet von Dauerregen – mit Reifen an der Verschleißgrenze eine blöde Kombination im November. Runter von A 52 – und nach einigen Metern in Gelsenkirchen gleich der erste Konflikt mit der Staatsmacht. Da sperrt so ein Freund und Helfer die Abbiegespur an einer Kreuzung ab – aber oben steht in genau der Richtung das Arena-Schild. Also Fenster runter, freundlich gefragt, wo lang ich denn jetzt wohl muss – da glotz der mich an und sagt nur: Hier ist zu! Und spaziert weiter. Weitere Kontaktversuche blieben erfolglos – also hab ich mich durch die Hütchen gedrängelt und bin trotzdem links ab. Mit Blick auf den weiteren Abend hätte ich vielleicht besser umdrehen sollen.
Vor Ort angekommen erstmal geparkt und ums Stadion die Arena rum. Der Eingang verlief bei mir erstaunlich human – wurde nur kurz gefilzt – hatte da schlimmeres erwartet. Dann der Weg in die Halle – sehr eng, viele kleine Stufen … wie soll dass denn Enden, wenn da mal Panik ist? Unglaublich, das sowas heute noch erlaubt ist. Im Stadion dann direkt in den Block – den Getränke und Speisen wurden von mir dank Knappenkarte nicht angefasst. Den Scheiß mach ich nicht mit. Schade, dass dies nicht mehr Leute so sehen, dann wäre das schnell wieder vorbei mit dem Mist – aber ohne Bier ist für viele sicher unmöglich zu schaffen …
Da ich sehr früh da war, konnte ich zusehen, wie sich die Arena füllte und die Luft schlechter wurde. Schon zum Anpfiff lag ein Nebenschleier in der Halle, man roch nur Zigaretten und Wurst – widerlich. Ich würde ja gerne mal wissen, ob das nur oben auf der Tribüne so ist oder ob die Spieler unten auf dem Platz davon auch was merken. Meine Art von Fußball ist das jedenfalls nicht – ich will beim Spiel den Himmel sehen. Und Maskottchen können mir auch gestohlen bleiben. Aber damit genug der Kritik an den Schalkern … nur einen spar ich mir fürs Ende auf.
Zum sportlichen auch noch ein paar Worte. St. Pauli kam recht gut ins Spiel, war in der ersten Hälfte mindestens gleichwertig – aber so wie zuletzt auch. Vorne macht man die Dinger nicht und hinten wird gepennt. Wobei das 1-0 schon Klasse rausgespielt war – der Farfan war bärenstark und Bastian Oczipka hat da meiner Meinung nach zuwenig unterstützung von Max Kruse in der Defensive bekommen. Ansonsten hat Schalke aber nicht gerade ein Offensivfeuerwerk abgebrannt – und Naki hat dann einen 100%igen auf dem Fuß. Und da liegt der Und begraben. Gerade Auswärts muss man solche Dinger machen, wenn man was mitnehmen will.
Nach der Pause ging dann aber nicht mehr viel, nach dem 2-0 war das Ding durch. Und: Bin ich alleine mit der Meinung, dass wir langsam mal doch jemanden an den Pfosten stellen sollten? Das Tor wäre dann nicht gefallen und es hat ja einen Sinn, dass das fast alle anderen Vereine so praktizieren. Die letzten 35 Minuten waren dann seltsam – obwohl wir offensiv nichts zustande gebracht haben, konnte uns Schalke auskontern. Am Ende hätte es sogar noch höher werden können – was angesichts der ersten Hälfte aber sehr unverdient gewesen wäre. So muss man sagen, dass die Niederlage verdient war – Schalke sollte sich aber (ähnlich wie der VfB) lieber nicht zuviel drauf einbilden – denn gegen andere Gegner wird eine Leistungssteigerung notwendig sein.
Zum Abschluß einige lobende Worte und ein wenig Kritik. Klasse Leistung des Schiri-Teams. Das war richtig gute Arbeit. Sympatischer Auftritt der Schalker Mannschaft (von der ich als einzigen Huntelaar ausnehme, der zwar spielerisch Weltklasse ist, aber doch zu oft den Bodenkontakt sucht und liegen bleibt) – und richtig Dampf der Nordkurve. Ich hatte es lange nicht, dass ich trotz eigener Gesänge die gegenüberliegende Kurve höre. Das war gut. Aber der Rest des Stadions? Ca. 3-4 mal kam als Antwort auf ein „Schaaaalke“ der Nord ein „NuuuulllVier“ als Antwort – und das wars. Als die Punkte zum Abpfiff gefeiert wurden, waren viele schon gar nicht mehr da. Das Stadion früher zu verlassen, kann ich schon nicht verstehen (wenn es nicht unbedingt sein muss)- aber bei einer 3-0 Führung des eigenen Vereins??? Und das waren keine einzelnen Personen – das war ein durchgängiger Menschenstrom auf den Tribünen links und rechts neben dem Gästeblock. Ist mir so extrem bisher nirgendwo aufgefallen. Aber bei mehr als 60.000 Zuschauern kann ja nicht jeder mit vollem Herzen dabei sein – zeichnet sich bei uns parallel zum wachsenden Erfolg und zum wachsenden Stadion ja auch ab. Und wo ich gerade beim eigenen Publikum bin … mich nerven extrem diese Spinner, die vergessen, wo wir noch vor kurzem waren. Die schon in der ersten Hälfte die eigenen Spieler bepöbeln, die auf den Gesang von USP schimpfen, aber selber das Maul zum singen nicht auf bekommen und für die ein gefüllter Bierbecher am Ende doch das wichtigste ist. Verpisst euch. Nervig aber auch der (wenn auch sehr kurze) Versuch des Pimmelfechtens von USP so um die 80? Minute rum. Ich mag keinen Antisupport – und bei einem Rückstand kurz vor Schluß wirkt das ein wenig wie „schlechter Verlierer“. Im übrigen ist ein Gesang von „ihr werdet nie deutscher Meister“ bei einem siebenmaligen Meister etwas seltsam. Zum Glück konzentrierte man sich schnell wieder auf die eigene Mannschaft.
Unterm Strich bleibt also ein eher ruhiger Abend in der Halle. Die Rückfahrt war dann zum Abschluß nochmal richtig anstrengend – wieder Regen, Regen, Regen.
Und am nächsten Tag gabs nochmal nen Einlauf von meiner Tochter. Ich hatte den Glücksschmetterling wieder zuhause vergessen. Ich nehme also die Schuld für die Niederlage auf mich.

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~ von derkiesel - November 6, 2010.

Eine Antwort to “Zu Besuch in der Halle – oder: Aufbaugegner Ole”

  1. Bitte den Glücksschmetterling gleich am Montag an den Weichteilen fest takkern lassen! Danke.

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