Auf auf zum Kampf …

Warum stehe ich am Millerntor?
Ich bin Oldenburger und bin in meiner Jugend zum VfB gegangen. Habe dort gute Zeiten erlebt, z.b. den Zweitligaaufstieg Anfang der 90er. Eine gute Truppe war das damals. Ich werde nie vergessen, wie Radek Drulak dem Nationalmannschaftsanwärter Christian Wörns nen Knoten in die Beine gespielt hat. Die Heimspiele am Donnerschwee waren etwas besonderes – ein kleines, enges Stadion, das in jeder Saison für einige Punkte gut war. Aber parallel gab es eine Vereinsführung, die den sportlichen Erfolg um jeden Preis wollte, trotz hoher Schulden.
So wurde das kleine Stadion von einem Manager Namens Rudi Assauer (ja, der war in OL zum üben) verkauft und die Mannschaft verstärkt. Gespielt wurde von da an im städtischen Marschwegstadion, einem Leichtathletikstadion mit 3! Tribünen.
Zuerst ging auch alles gut, die nächste Saison lief tatsächlich gut, fast hätte es am Ende zum Aufstieg gereicht. Ein Tor hat gefehlt, und zwar beim Spiel FC St. Pauli – Bayer 05 Uerdingen. Das ging 0-0 aus und Bayer war aufgestiegen. Parallel zum sportlichen Erfolg gab es aber auch noch eine andere Entwicklung. Die Anzahl der Schlägereien im Umfeld der Spiele stieg an, immer mehr Personen aus dem rechten Umfeld tauchten auf, Deutschland- und Reichskriegsfahnen nahmen zu. Eine kleine Gruppe wollte dagegen Zeichen setzen, aber Plakate und Banner wurden von Rudi verboten. Keine Politik im Stadion wurde uns mitgeteilt, bei wiederholtem Verstoß wurde uns mit Stadionverbot gedroht. Von anderen Teilen des Stadions war keine Unterstützung zu erwarten, also viel unsere Entscheidung, dem Verein den Rücken zu kehren. Der sportliche Erfolg war nach einem Jahr dann auch vorbei, großen Anteil daran hatte Wolfgang Steinbach, der Wolfgang Sidka vom Trainertron gestossen hat. Mit Volldampf ging es bergab, ein kurzes zwischenhoch mit Hans-Jörg Butt in jungen Jahren verpuffte schnell wieder. Heute spielt der VfB in der Niedersachenliga West – ohne Stadion und mit einer handvoll Fans, die sich untereinander bekämpfen. Denn noch immer hat man das Problem mit den Rechten nicht im Griff.

Ich war zu dem Zeitpunkt aber schon lange nicht mehr da, mich haben die Fans vom Millerntor bei ihrem Auftritt am 21.03.1992 eingefangen. Obwohl gerade der Aufstieg verspielt wurde, war die Gästekurve laut, bunt und friedlich. Da spielte sich genau das ab, was ich bisher gesucht und vermisst hatte. Und seitdem pilgere ich zum Millerntor, erst unregelmäßig zu einigen Spielen pro Jahr, seit dem Abstieg in die Regionalliga als Dauerkarteninhaber und seit der Geburt meiner Tochter im Jahr 2005 auch als (doppeltes) Vereinsmitglied.
Wenn ich aber die Entwicklungen der letzten Jahre bei uns sehe, die parallel zum sportlichen Erfolg ablaufen, sehe ich die Gefahr vor mir, ein zweites Mal einen Verein zu verlieren. Ich stehe am Millerntor, weil ich keinen Event möchte, keine reine Kommerzshow, keine Maskottchen, Cheerleader, blinkende Laufbänder, keine sexistischen Sprüche auf den Rängen und in der Vermarktung, keine rechten Parolen, keine Homophobie. Teile davon sind aber bereits Geschichte und wir müssen alles tun, damit der Rest nicht auch noch den Bach runter geht.
Daher verweise ich auf die Initiative der Sozialromantiker, die jetzt zur Weihnachtszeit den Kampf wieder aufgenommen hat. Ich bitte um Unterschriften für eine gute Sache. Helft mit, den Verein so zu erhalten, wie wir in lieben gelernt haben.

Sozialromantiker

oder direkt zur Unterschriftenliste

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~ von derkiesel - Dezember 23, 2010.

3 Antworten to “Auf auf zum Kampf …”

  1. Genau deswegen!

  2. Ich habe soetwas bei einem „größeren“ VfB erlebt (und erlebe es noch). Dieser Text ist so klasse …

  3. Ich unterstütze den magischen FC aus den o.g.Gründen und teile die ebenfalls o. g. Befürchtungen. Wann bleibt die Südtribüne , Nordkurve und Gegengerade leer!?

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